Bruno Hans Bürgel

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Bruno H. Bürgel, um 1947
Bruno H. Bürgel, 1912

Bruno Hans Bürgel, oft nur „Bruno H. Bürgel“ geschrieben (* 14.11.1875 in Berlin; † 08.07.1948 in Babelsberg), war ein Astronom und Schriftsteller. Nach ihm wurde die Bruno-H.-Bürgel-Schule, in Babelsberg, benannt.

Geschichte

Bruno H. Bürgel wurde am 14. November 1875 in Berlin geboren. Die Mutter Bruno H. Bürgels, die Näherin Luise Emilie Sommer, verstarb bereits 1884. Da sich sein Vater, der Archäologe Adolf Trendelenburg, nicht zu seinem Sohn bekennen wollte, wurde das Kind von dem Schuhmacher Gustav Bürgel und dessen Frau adoptiert. Ab 1886 lebten die Bürgels in Berlin-Weißensee bei Berlin. In armen Verhältnissen aufgewachsen, erlernte Bürgel 1889 den Beruf eines Schuhmachers in der Werkstatt seines Adoptiv-Vaters. Später arbeitete er als Steindrucker und Fabrikarbeiter. Nach 12-stündiger Arbeit betrieb Bürgel Selbststudien, obwohl er als Kind kein sehr guter Schüler war. Trotz wirtschaftlicher Not erarbeitete sich Bürgel ein umfangreiches naturwissenschaftliches Wissen. Sein besonderes Interesse galt der Astronomie. So gelang es ihm, eine Stelle als Beobachter an der Urania-Sternwarte zu erhalten, deren Direktor damals der bekannte Astronom Max Wilhelm Meyer war. Auch hier vervollständigte Bürgel seine Kenntnisse.

Als „Arbeiter-Astronom“ hat er später die damals noch als Geheimwissenschaft geltende Himmelskunde für die Menschen zugänglich gemacht. Er schrieb über 22 Büchern und etwa 3.000 Presse-Artikeln, die teilweise in acht Sprachen übersetzt wurden. Dabei verwendete er die einfache Sprache des Volkes.

Sein 1910 geschriebenes populärwissenschaftliches Buch „Aus fernen Welten“ begründete seine „Professur“ zum Volksschriftsteller. Bruno H. Bürgel gehört zu den Mitbegründern der Provinzialgruppe Brandenburg des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands (kurz: Kulturbund).

Ein erster Artikel in einer russischen Zeitschrift, ein weiterer im Vorwärts (Deutschland), wo Wilhelm Liebknecht Redakteur war, zeigten bald das schriftstellerische Talent Bruno H. Bürgels. 1899 wurde Bürgel freiberuflicher Schriftsteller. In den Jahren 1903 und 1904 konnte Bürgel auf Empfehlung Wilhelm Foersters Vorlesungen an der Berliner Universität besuchen. Gleichzeitig war er Mitarbeiter verschiedener Verlage. Sein erstes Buch: Aus fernen Welten erschien 1910 und wurde ein großer Erfolg.

Den Ersten Weltkrieg verbrachte Bürgel als Melder an der Westfront. Im Jahr 1919 erschien sein zweites wichtiges Buch: Vom Arbeiter zum Astronomen. Bürgel war als Sozialist gegen den von der Oktoberrevolution in Russland ausgehenden Terror und befürchtete dessen Übergreifen auf Deutschland.

In den folgenden Jahren erreichte die Popularität Bürgels ihren Höhepunkt. Dabei dehnte er seinen Arbeitsbereich von der Astronomie auf andere Naturwissenschaften, aber auch auf Philosophie, Geschichte und Pädagogik aus. Sein Märchen vom Doktor Ulebuhle, einem kauzigen alten Gelehrten, dessen Haus mit geheimnisvollen Gegenständen eingerichtet ist, war in den 1920er Jahren ein großer Erfolg. Neben vielen Büchern verfasste er Artikel für verschiedene Zeitschriften, hielt Vorträge und sprach im damals aufkommenden Rundfunk. Seine Arbeit fiel auf fruchtbaren Boden. Wie andere Wissenschaftler dieser Zeit sprach er auf Veranstaltungen der damals beliebten Arbeiterbildungsvereine, wo er sich als Sozialdemokrat zuhause fühlte. Er war mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten bekannt. Eng befreundet war er zum Beispiel mit dem Schriftsteller Ehm Welk, der ihm zu einigen seiner Bücher Anregungen gab.

Seit 1928 wohnte Bruno H. Bürgel in der Merkurstraße Nummer 11, in Nowawes.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden einige seiner Publikationen Opfer der Zensur. Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 befürchtete Bürgel wie viele Deutsche die Rache der Sieger. Der von der sowjetischen Militäradministration umgehend angeordnete Schutz seiner Person und seines Eigentums vermittelten ihm die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er setzte nach dem Zweiten Weltkrieg seine Tätigkeit als Wissenschaftspublizist fort und war Mitbegründer des Kulturbund der DDR. Eine Professur an der Humboldt-Universität zu Berlin, die ihm angeboten wurde, lehnte er ab. Er war bis zu seinem Tode im Jahr 1948 publizistisch aktiv.

Bruno H. Bürgel starb am 8. Juli 1948 in Babelsberg. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Babelsberger Goethefriedhof.


Werke

  • Himmelskunde. Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens, Berlin 1907
  • Der Komet Halley. Berlin 1910
  • Aus fernen Welten – Eine volkstümliche Himmelskunde. Berlin 1910
  • Vom Arbeiter zum Astronomen – Die Lebensgeschichte eines Arbeiters. Berlin 1919
  • Die seltsamen Geschichten des Doktor Ulebuhle – Ein Jugend- und Volksbuch. Berlin 1920
  • Doktor Ulebuhles Abenteuerbuch – Erzählungen für Jugend und Volk. Berlin 1928
  • Der Stern von Afrika – Ein Roman aus dem Jahr 3000. Berlin 1921
  • Gespenster – Ein spiritistischer Roman. Berlin 1921
  • Menschen untereinander – Ein Führer auf der Pilgerreise des Lebens. Berlin 1922
  • Die Zeit ohne Seele – Ethik im Alltag. Leipzig 1922
  • Du und das Weltall. Berlin 1923
  • Im Garten Gottes – Wandertage und Plauderstunden eines Naturfreundes. Berlin 1924
  • Weltall und Weltgefühl. Berlin 1925
  • Die Weltanschauung des modernen Menschen. Berlin 1932, spätere Auflagen unter dem Titel: Das Weltbild des modernen Menschen
  • Die kleinen Freuden – Ein besinnliches Buch vom Glück im Alltag. Berlin 1934
  • Sterne über den Gassen – Roman. Berlin 1936
  • Das Weltbild des modernen Menschen – Das All, Die Erde, Der Mensch, Der Sinn des Lebens. Berlin 1937
  • Hundert Tage Sonnenschein – Ein Buch vom Sonntag und Alltag des Lebens. Berlin 1940
  • Vom täglichen Ärger – Ein Lesebuch für Zornige, Eilige, Huschelpeter und lachende Philosophen. Leipzig 1941
  • Saat und Ernte – Betrachtungen über Leben und Tod. Berlin 1942, spätere Auflagen unter dem Titel: Anfang und Ende – Das Buch vom Leben und vom Tode. Aufbau-Verlag Berlin 1947
  • Der Weg der Menschheit. Halle 1946
  • Der Mensch und die Sterne. Berlin 1946
  • Die Fackelträger.Ein der jungen Generation gewidmetes Buch vom Aufstieg und Fortschritt der Menschheit. Der Neue Geist-Verlag, Berlin 1947
  • Pilgerreise durch das liebe Leben. Berlin 1948

Ehrungen

  • Zum 80. Geburtstag Bürgels im November 1955 erfolgte die Eröffnung der Bürgel-Gedenkstätte in Potsdam-Babelsberg im Haus Merkurstraße 10, wo Bürgel 1927 bis 1948 gelebt hatte. Heute (2020) gehört sie neu konzipiert und gestaltet zum URANIA-Planetarium Potsdam.
  • Im Vorraum des URANIA-Planetariums Potsdam steht eine Büste Bürgels.
  • Im Jahr 1999 wurde der Asteroid (10100) Bürgel nach ihm benannt.
  • Die Volkssternwarten Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte in Berlin, die Sternwarte „Bruno-H.-Bürgel“ in Sohland/Spree und die Sternwarte in Hartha wurden nach ihm benannt.
  • Verschiedene Schulen wie in Eberswalde, Potsdam, Rathenow und Berlin-Lichtenrade wurden nach Bürgel benannt.
  • Verschiedene Straßen in mehreren Städten wie in Berlin-Niederschöneweide, Bremen, Frankfurt (Oder), Leipzig, Potsdam, Stralsund, Strausberg und Teltow wurden nach ihm benannt.
  • Ein Preis, den die Astronomische Gesellschaft (AG) verleiht, heißt Bruno-H.-Bürgel-Preis. Dieser wird für hervorragende populäre Darstellungen neuerer astronomischer Ergebnisse verliehen.
  • An Bürgels ehemaligem Wohnhaus in Berlin-Zehlendorf wurde eine Berliner Gedenktafel angebracht.
  • Die Sternwarte auf dem Dach des Georgius-Agricola-Gymnasium in Chemnitz heißt zu seinen Ehren Bruno H. Bürgel Sternwarte.

Quellen

  • „Neuendorf - Nowawes - Babelsberg: Stationen eines Stadtteils“ – Herausgeber: Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf e. V.; in Redaktion von Almuth Püschel; 1. Auflage; Horb am Neckar; Geiger-Verlag; 2000; ISBN 3-89570-653-1
  • Andreas W. Daum - Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur, naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit, 1848–1914 - Verlag: Oldenbourg

Weblinks